Auch da kann es passieren, dass die Probleme von allein verschwinden. Und was ist gegen ein Placebo einzuwenden, wenn es hilft, womöglich noch ohne Nebenwirkungen?
Ja, auch ich sehe heute die Sache differenziert. ...
Das Thema scheint ein echter Aufreger zu sein. Ich bin persönlich davon betroffen. Also eine kleine Geschichte, wenn's gestattet ist.
Ich bin mit Homöopathie aufgewachsen. Wir hatten ein Homöopathen, zu dem unsere Familie ging, seit ich denken kann. Er war für mich das Sinnbild eines Arztes. Weißer Kittel, aufgespießte Schmetterlinge in Glaskasten an der Wand. Ein altes weises Männchen, von dem ich noch heute einzelne Sätze höre, wie: die meisten Menschen bringen sich mit Messer und Gabel um. Bei kleinem Unwohlsein, Magen, Darm usw. gingen wir zu ihm, und er machte immer klar, daß er nur für solche kleinen Disharmonien zuständig war. Er diagnostizierte unsere Probleme per Irisdiagnose, was mir völlig einleuchtend erschien, weil er uns Beschwerden auf den Kopf zusagte, die meistens stimmten. Von ihm habe ich gelernt, daß Krankheiten seine Zeit brauchen, daß man gesund werden wollen muß und ich habe immer erlebt, daß er sich für uns Zeit nahm.
Wir bekamen Tropfen und Pillen und mein Vater sammelte Rezepte von verschiedenen Mischungen vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden, die in unserer Familie häufig sind und es hat immer gewirkt - besser als jeder Schulmediziner es gekonnte hätte, die in solchen Fällen mit - wie nannte er es - Kanonen auf Spatzen schießen.
Und dann kam dieser eine Tag, den ich heute noch vor Augen habe, als wäre es gestern gewesen. Ich hatte irgendein Problem, an das ich mich heute nicht mehr erinnere. Aber diesmal griff er nicht zu Lupe und Lampe, um mir in die Augen zu sehen, sondern zog seine schöne Taschenuhr und pendelte über meinem Arm. Und wie ein Blitz traf den kleinen Jungen, ich mochte damals maximal 10 Jahre alt gewesen sein, die Erkenntnis: Das ist Spökenkiekerei! Von da ab an hörte es auf bei mir zu wirken. Jahre später war ich dann Zeuge einer Irisdiagnose an einem Glasauge, ohne daß der Homöopath es bemerkte, aber da war ich schon ab davon.
Was für mich davon geblieben ist, ist die Neugier für die Leistungen eines solchen Placebo-Systems, hinter dem für mich die Möglichkeit schlummert, die offenkundig vorhandenen Selbstheilungskräfte unseres Körpers zu aktivieren. Für die Homöopathie bin ich verdorben, aber ich versuche für mich das Beste daraus zu machen. Ich versuche, Krankheiten zu überwinden, in dem ich meine Gedanken auf die Heilung zu konzentrieren versuche und in dem ich der Krankheit Zeit gebe. Ich horche auf die Signale meines Körpers, aber möglichst ohne Angst und versuche nicht mit Pillen auszugleichen, was ich in meiner Lebensführung falsch mache. Ob das alles der Grund ist, warum ich kaum krank bin, kann ich nicht sagen, vielleicht habe ich auch nur eine Pferdenatur, was aber eigentlich nicht sein kann, weil mein vegetatives Nervenkostüm ziemlich empfindlich reagiert. Wie auch immer. Das Thema interessiert mich seitdem, nur fällt man bei vielen damit in die Kategorie der Homöopathie-Befürworter und das wird gar nicht gern genommen. Mal sehen, wie es hier geht.
