Ach so meinst du das. Jetzt verstehe ich auch, was du mit dem Ausspruch
Selbstverständlich nicht jeder, aber möglicherweise tut es dem Einen oder Anderen gut.

sagen wolltest. Unter Beichte verstehe ich nämlich den kompletten religiösen Brauch; und da erkenne ich nicht, was es für einen Ungläubigen bringen soll, wenn er ein paar »Bußübung« genannte Rituale vollführt und ihm zugesichert wird, danach werde ihm von einem übernatürlichen Wesen vergeben.
Soweit es allerdings nur um das sich-Anvertrauen mit eigenen Sorgen und Nöten geht: da magst du wohl recht haben. Wenn ich richtig informiert bin, geht die Beichte im katholischen Glauben aber darüber hinaus: neben der Gelegenheit, Belastungen loszuwerden gibt es da auch noch die Beichtpflicht für festgelegte Sünden, die mich normalerweise im Leben gar nicht belasten würden.
Sinnvoll ist eine »Beichte« für Ungläubige m.E. nur dann, wenn individuell auf dessen belastende Situation eingegangen und ihm dann sachverständig nahe gelegt wird, sein Problem mit »Bordmitteln« zu lösen. Und da wären wir dann bei der Gesprächstherapie, für die (zumindest in gravierenderen Fällen) wohl eher der Psychologe über die erforderliche Kompetenz verfügt, als der Priester. Was letzteren angeht, ist es speziell für Ungläubige vielleicht auch ein Problem fehlenden Vertrauens. Wenn ich im RL immer wieder beobachte, dass sich Pfarrer gegenüber Atheisten, die sich nicht bekehren lassen, eher abweisend verhalten, dann werde ich mich nicht ausgerechnet diesen Personen mit meinen höchstpersönlichen Problemen anvertrauen.
Der Pfarrer von Ars war bekannt dafür, dass Ungläubige bei ihm gebeichtet haben und erst durch die Beichte bei ihm zum Glauben gekommen sind.