Ist das nicht ein Widerspruch? Du sagst, der Monotheismus habe mit der Vernichtung des Heidentums das Göttliche von der Welt getrennt. Und nun gibt es das Heidentum wieder und bringt die Welt und das Göttliche wieder zusammen?
Ich habe gesagt, im Monotheismus ist das Göttliche von der Welt getrennt. Per se, nicht erst durch die Vernichtung des Heidentums. Mit selbiger ist die Idee, daß es auch anders sein könnte, aus der Welt verschwunden. Im Heidentum wird diese Idee wieder aufgegriffen und z.B. in rituelle Handlungen übersetzt.
Zitat:
Das würde heißen, die heidnischen Götter sind tot, was wiederbelebt werden kann, ist der Kult, das Lebensgefühl? Kann es wirklich Heidentum ohne ihre Götter geben. Ist das nicht ein Heidentum light, mangelnder Respekt vor der Ernsthaftigkeit des Glaubens der alten Heiden? Oder ist es gerade das Eingeständnis, daß das alte Heidentum vergangen ist, weil seine Götter tot sind, was dagegen heute noch gelebt werden kann, das Lebensgefühl ist, die Beziehung zur Welt, die es natürlich noch gibt?
Die Welt hat sich die letzten 1000 Jahre weitergedreht. Selbstverständlich haben wir heute nicht mehr dieselben Vorstellungen wie die Heiden damals. Natürlich ist das alte Heidentum vergangen und zum Teil im Christentum aufgegangen, weshalb man ja auch von
Neuheidentum spricht. Ich kann Dir auf Anhieb vier verschiedene im Neuheidentum vertrenene Ansichten nennen, was ein Gott überhaupt ist. Welche man davon hat, ist aber nebensächlich, der Grundgedanke ist derselbe, die Stellung der Menschen, der Götter und der Welt untereinander dieselbe.
Und da ist nirgends mangelnder Respekt vor den Vorstellungen der Altvorderen. Die waren nicht so naiv und dämlich, wie es die christliche Apologetik glauben machen will. Nimm die Göttinnen Germania und Africa, die den Römern als Sinn- und Abbilder der jewiligen Länder dienten. Glaubst Du wirklich, die Römer waren so dämlich, Bild und Land nicht auseinanderhalten zu können? Dann wären sie wohl kaum in der Lage gewesen, dort einzumarschieren.
Und deshalb heißt das noch lange nicht, daß die Götter tot wären. Solange wir leben, leben sie auch.