Das weltanschauliche Diskussionsforum für Gläubige, Ungläubige und philosophisch Interessierte

Aktuelle Zeit: 09 Sep 2010 08:58

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 87 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 19:21 
Offline
Moderator
Moderator
Benutzeravatar

Registriert: 17 Sep 2008 19:43
Beiträge: 2444
Aus einem anderen Thread:

"Vielleicht findet man über solche Umwege leichter den Weg zu den ursprünglichen Mythen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Blühen der Barbarazweige ausgerechnet am Tag der Wintersonnenwende das heidnische Fest schwer beflügelt hat. Die Sonne steigt, und das ist ihre Farbe!
Ich habe mir am 31. 01 mal die Mühe gemacht, den aufgehenden Vollmond zu beobachten, von einer Stelle aus, die auch landschaftlich/städtebaulich ganz reizvoll war. Und ich sach Dir, das war beeindruckend.
Zuerst das Licht des Mondes unter den Wolken, dramatisches Theaterlicht, warten... Nichts passiert. Du wendest Dich ab, die Wolken sind zu dicht- meinst Du-, willst gehen, ein paar Schritte, drehst Dich nochmal um (sonst nicht meine Art), und da strahlt sie, Moira, in einem Gewand aus Wolken, Du stehst da und bist baff, kommst gerade noch dazu, den Fotoapparat zu bedienen.
Das sind so Glücksmomente atheistisch-heidnischer Weltbetrachtung. Dagegen kannst Du jedes heilige Buch in die Tonne kloppen.
Barbarazweige an sich sind langweilig.
Gruß
Ullr"

Ich fände es schade, wenn über heidnisches Gedankengut und Weltbild lediglich im Basar gepostet wird, und dann auch noch unter einem absolut christlichen Thema. Da finden es interessierte Leser doch nie! :freakteach:

Es gibt wohl einige Daten, die für Heiden bedeutsam sind, weil sie Wendepunkte im Jahreskreis anzeigen. So jetzt den 2. Februar, einem Lichtfest, an dem endlich spürbar ist, dass die Tage wieder länger und heller werden. Na gut, in diesem Jahr mit der ständig wolkenverhangenen Sonne nicht so deutlich, aber sonst...

_________________
"Ich will nicht, dass mich jemand wirklich kennt. Ich will, dass man meine Version glaubt." Denny Crane, Boston Legal


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 19:29 
Offline
Admin
Admin

Registriert: 11 Sep 2008 23:33
Beiträge: 3190
Was es nicht der 25. Dezember?

_________________
"Wenn Gott LSD nimmt, sieht er dann Menschen?" (Steven Wright)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 19:31 
Offline
Moderator
Moderator
Benutzeravatar

Registriert: 17 Sep 2008 19:43
Beiträge: 2444
Domingo hat geschrieben:
Was es nicht der 25. Dezember?


Der 25 Dezember ist die Wintersonnenwende. Die Daten für Feste im Jahreskreis:

http://de.wikipedia.org/wiki/Keltischer_Jahreskreis

_________________
"Ich will nicht, dass mich jemand wirklich kennt. Ich will, dass man meine Version glaubt." Denny Crane, Boston Legal


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 20:39 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 07 Jul 2009 17:44
Beiträge: 3114
Juana hat geschrieben:
Ich fände es schade, wenn über heidnisches Gedankengut und Weltbild lediglich im Basar gepostet wird, und dann auch noch unter einem absolut christlichen Thema. Da finden es interessierte Leser doch nie! :freakteach:

Es gibt wohl einige Daten, die für Heiden bedeutsam sind, weil sie Wendepunkte im Jahreskreis anzeigen. So jetzt den 2. Februar, einem Lichtfest, an dem endlich spürbar ist, dass die Tage wieder länger und heller werden. Na gut, in diesem Jahr mit der ständig wolkenverhangenen Sonne nicht so deutlich, aber sonst...

Ich frage mich, was hier unter 'Heiden' verstanden wird. Was die an der Jahreszeit orientierten Feste betrifft, so sind die glaube ich unabhängig von irgendwelchen Weltanschauungen. Sie symbolisieren für mich eher eine Art Heimatgefühl für die Abläufe auf diesem Planeten, etwas was die Bewohner einer bestimmten Region gemeinsam haben, unabhängig von ihrer jeweiligen Weltanschauung.

_________________
"Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen anderer ist relativ der Ausnahmefall."
Friedrich Nietzsche


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 21:00 
Offline
Moderator
Moderator
Benutzeravatar

Registriert: 17 Sep 2008 19:43
Beiträge: 2444
Marcellinus hat geschrieben:
Juana hat geschrieben:
Ich fände es schade, wenn über heidnisches Gedankengut und Weltbild lediglich im Basar gepostet wird, und dann auch noch unter einem absolut christlichen Thema. Da finden es interessierte Leser doch nie! :freakteach:

Es gibt wohl einige Daten, die für Heiden bedeutsam sind, weil sie Wendepunkte im Jahreskreis anzeigen. So jetzt den 2. Februar, einem Lichtfest, an dem endlich spürbar ist, dass die Tage wieder länger und heller werden. Na gut, in diesem Jahr mit der ständig wolkenverhangenen Sonne nicht so deutlich, aber sonst...

Ich frage mich, was hier unter 'Heiden' verstanden wird. Was die an der Jahreszeit orientierten Feste betrifft, so sind die glaube ich unabhängig von irgendwelchen Weltanschauungen. Sie symbolisieren für mich eher eine Art Heimatgefühl für die Abläufe auf diesem Planeten, etwas was die Bewohner einer bestimmten Region gemeinsam haben, unabhängig von ihrer jeweiligen Weltanschauung.


mit "Heiden" meinte ich "Neuheiden". Sicher hast Du recht, auch viele andere feiern solche Feste. Im christlichen Glauben ist der ursprüngliche Sinn aber oft überkleistert worden, und ein neuer Sinn aufgeklebt. Beispiel: Wintersonnenwende wurde zu Christi Geburt, Frühlingsäquinox zu Ostern usw. Es wird nicht mehr der Abläufe im Jahreskreis gedacht, sondern es werden willkürlich bestimmte Ereignisse, die in den Evangelien geschildert wurden, auf diese Daten geklebt. Durch diese Umdeutung ist mMn ein großer Teil des Bezuges zur Natur verloren gegangen.

In der Gegenwart, da der Sinn dieser christlichen Feste von immer weniger Menschen erinnert wird, verlieren diese wieder Anhaltspunkte. Wie sieht denn heute der Jahreskreis aus? Im August tauchen die ersten Schokonikoläuse in den Supermärkten auf, nach Weihnachten kommen die Schokoosterhasen.

_________________
"Ich will nicht, dass mich jemand wirklich kennt. Ich will, dass man meine Version glaubt." Denny Crane, Boston Legal


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 21:55 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 07 Jul 2009 17:44
Beiträge: 3114
Juana hat geschrieben:
Im August tauchen die ersten Schokonikoläuse in den Supermärkten auf, nach Weihnachten kommen die Schokoosterhasen.

Und die ultimate Lösung steht bei uns auf dem Schrank: Der Schokoweihnachtshase. :bgrin:

Was die Heiden betrifft, nun, ich halte den Untergang des Heidentums, auch unter tätiger Mithilfe der Christen, für eine größe Tragödie der menschlichen Kultur. Die Werke so vieler kluger Schriftsteller, Naturforscher und Philosophen wurden dem Untergang preisgegeben. Aber das ist Geschichte. Das Christentum hat alle Götter außer den eigenen (der Plural ist hier Absicht) beseitigt, hat im Monotheismus den Götterglauben gewissermaßen auf die Spitze getrieben. Nun sollte man den Weg konsequent zu Ende gehen, und auch die letzten Götter als das erkennen, was sie sind: von Menschen geschaffene Bilder, statt den Versuch zu machen, das Rad der Religionsgeschichte zurückdrehen zu wollen.

_________________
"Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen anderer ist relativ der Ausnahmefall."
Friedrich Nietzsche


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 22:34 
Online
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 12 Sep 2008 07:33
Beiträge: 3290
Marcellinus hat geschrieben:
Juana hat geschrieben:
Ich fände es schade, wenn über heidnisches Gedankengut und Weltbild lediglich im Basar gepostet wird, und dann auch noch unter einem absolut christlichen Thema. Da finden es interessierte Leser doch nie! :freakteach:

Es gibt wohl einige Daten, die für Heiden bedeutsam sind, weil sie Wendepunkte im Jahreskreis anzeigen. So jetzt den 2. Februar, einem Lichtfest, an dem endlich spürbar ist, dass die Tage wieder länger und heller werden. Na gut, in diesem Jahr mit der ständig wolkenverhangenen Sonne nicht so deutlich, aber sonst...

Ich frage mich, was hier unter 'Heiden' verstanden wird. Was die an der Jahreszeit orientierten Feste betrifft, so sind die glaube ich unabhängig von irgendwelchen Weltanschauungen. Sie symbolisieren für mich eher eine Art Heimatgefühl für die Abläufe auf diesem Planeten, etwas was die Bewohner einer bestimmten Region gemeinsam haben, unabhängig von ihrer jeweiligen Weltanschauung.

Das hast Du aber schön gesagt. ;)
Wahrscheinlich ist es ein alter Gedanke, mir kam er jedenfalls erst vor Kurzem, als ich in mykath den HickHack über Judenchristen usw usf verfolgte: das Christentum hat nicht nur versucht, den Juden ihre Religionsgrundlage unter den Füßen wegzuziehen ( das hat es nicht geschafft, Respekt vor dem jüdischem Volk...) sondern auch unzähligen heidnischen Kulten zuerst ihre Feiertage und ihre heiligen Stellen geklaut und diese Kulte dann ratzfatz vernichtet. Und das wiederum ist dem Christentum geglückt. Ich kann mir keine heidnischen Kulte mehr vorstellen, GermanHeretic kann es wohl und arbeitet auch an heidnischen Kulten mit. Mir fällt es nur auf, dass ich manchmal "Ehrfurchtsgefühle" :roll2: kriege, wenn ich einen uralten Baum betrachte, den in der Thermik segelnden Bussard beobachte, an einer Quelle stehe, die funkelnden Sterne oder Wolken- bzw Himmelstheater sehe. Es gibt wohl herausgehobene Punkte in der Landschaft, bei denen alles so "arrangiert" scheint, dass solche Gefühle verstärkt werden. Und da haben -meistens- Menschen ihre Naturgötter verehrt. Bis die Kirche diese Punkte mit Gebäuden bzw. Kreuzen entweihte. Und wo das nicht ging, da wurden diese Stellen dämonisiert.
Gruß
Ullr

_________________
"Glückliche Augenblicke hüpfen vorüber wie fröhliche Kinder"
Und ich schwör's, ich werde alles tun, dass Lea auf dieser unserer Welt einen Heidenspass haben wird.


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 22:45 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 06 Nov 2008 10:25
Beiträge: 1791
Domingo hat geschrieben:
Was es nicht der 25. Dezember?

Da wurden die Tage faktisch wieder länger, seit wir den Gregorianischen Kalender haben ja ab dem 21., aber in der Zeit des Lichterfestes kann man das Tagewerk wieder im Hellen verrichten, ab jetzt wird es spürbar heller.. Zur Wintersonnenwende begrüßt man die neue Sonne, den wiedergeborenen Sol Invictus, zum Lichterfest das wiedergekehrte Licht. Geht in dieselbe Richtung, ist auch etwas schwammiger, nicht so prägnant bestimmbar wie ein astronomischer Fixpunkt. Aber deshalb sind die Sonnenwenden und Äquinoktien Hochfeste und die anderen nicht.

_________________
"Wer dafür ist, die Demokratie endgültig abzuschaffen, hebt die Hand." (Moe Szyslak)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 23:02 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 07 Jul 2009 17:44
Beiträge: 3114
ullr hat geschrieben:
Ich kann mir keine heidnischen Kulte mehr vorstellen, GermanHeretic kann es wohl und arbeitet auch an heidnischen Kulten mit.

Ja, das sehe ich auch so. Irgendwie hat das Töten der alten Götter funktioniert. Die Mythen mögen uns noch etwas sagen, die Götter selbst nicht mehr. Aber die Sache hat auch eine andere Seite. Die Heiden haben nie anderen Götter die Existenz bestritten. Die Christen haben, in der Tradition der Juden, die heidnischen Götter erst zu Dämonen erklärt, dann für nicht existent. Nun richtet sich diese Strategie gegen sie. In einer polytheistischen Welt hätte der christliche Gott, unter Verzicht auf seine Exklusivität, bis ans Ende aller Tage existieren können. In einer monotheistischen Welt dagegen, wie sie das Christentum und der Islam sich eingerichtet haben, in der alle Götter außer ihren eigenen tot sind, ist eine Koexistenz eigentlich nicht möglich. Die Intoleranz und die Behauptung des Wahrheitsanspruches wird sich zwangsläufig gegen sie selbst richten. Wenn die Mehrheit der Menschen den Anspruch der Monotheisten nicht mehr akzeptiert, wird es Götter in diesem Teil der Welt nicht mehr geben.

_________________
"Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen anderer ist relativ der Ausnahmefall."
Friedrich Nietzsche


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 23:12 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 06 Nov 2008 10:25
Beiträge: 1791
Marcellinus hat geschrieben:
Ich frage mich, was hier unter 'Heiden' verstanden wird. Was die an der Jahreszeit orientierten Feste betrifft, so sind die glaube ich unabhängig von irgendwelchen Weltanschauungen. Sie symbolisieren für mich eher eine Art Heimatgefühl für die Abläufe auf diesem Planeten, etwas was die Bewohner einer bestimmten Region gemeinsam haben, unabhängig von ihrer jeweiligen Weltanschauung.

Ja, natürlich!! Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber genau das hat der Monotheismus ja mit der Vernichtung des Heidentums gleich mit vernichtet: Im Monotheismus ist das Göttliche (was immer man darunter versteht, einen Gott, mehrere davon, die empfundene Ehrfurcht beim Anblick der Natur) von der Welt getrennt. Das Göttliche thront darüber, ist von der Welt entfremdet, muß mit der Welt versöhnt (versohnt?) werden. Genau diese Trennung gibt es im Heidentum nicht, da gibt es die Welt und jede Menge toller Sachen, die sich darin tummeln. Das Gute wartet nicht im Jenseits, sondern auf der nächsten Wiese.
Und so kann man sich auch heute, auch mit oder trotz Quantenphysik, Relativitästheorie und kosmologischen Modellen, heidnische Kulte betreiben. Da kommt es nicht auf Glauben an sondern aufs Machen. Man macht es einfach. So wie ullr, einfach mal auf den Mond schauen und ein wenig von der Großartigkeit dieser Welt spüren, da braucht man gar keine nächste. Das ist Spiritualität, kein theologischer Hirnfick.
Im Ritual, im Kult macht man genau das mit mehreren Leuten. Damit das einigermaßen klappt, nach Regeln, je nach Kult lockere oder strengere, und mit einer kompatiblen Bilderwelt. Wobei "kompatibel" sehr flexibel ist - während sich in der Grabeskirche mit schöner Regelmäßigkeit die Vertreter unterschiedlicher Konfessionen ein und derselben Religion untereinander darum loppen, wer wo sitzen darf, können Heiden unterschiedlichster Religionen locker die Feste und Rituale gemeinsam begehen. Wiccas, Neokelten, Asentreue, Hellenisten, das mischt sich ganz wunderbar, habe ich oft genug erlebt.

_________________
"Wer dafür ist, die Demokratie endgültig abzuschaffen, hebt die Hand." (Moe Szyslak)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 23:30 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 07 Jul 2009 17:44
Beiträge: 3114
GermanHeretic hat geschrieben:
Ja, natürlich!! Im wahrsten Sinne des Wortes. Aber genau das hat der Monotheismus ja mit der Vernichtung des Heidentums gleich mit vernichtet: Im Monotheismus ist das Göttliche (was immer man darunter versteht, einen Gott, mehrere davon, die empfundene Ehrfurcht beim Anblick der Natur) von der Welt getrennt. Das Göttliche thront darüber, ist von der Welt entfremdet, muß mit der Welt versöhnt (versohnt?) werden. Genau diese Trennung gibt es im Heidentum nicht, da gibt es die Welt und jede Menge toller Sachen, die sich darin tummeln. Das Gute wartet nicht im Jenseits, sondern auf der nächsten Wiese.

Ist das nicht ein Widerspruch? Du sagst, der Monotheismus habe mit der Vernichtung des Heidentums das Göttliche von der Welt getrennt. Und nun gibt es das Heidentum wieder und bringt die Welt und das Göttliche wieder zusammen? Götter kommen meiner Erfahrung nach aber nicht wieder.
GermanHeretic hat geschrieben:
Und so kann man sich auch heute ... heidnische Kulte betreiben. Da kommt es nicht auf Glauben an sondern aufs Machen. Man macht es einfach. So wie ullr, einfach mal auf den Mond schauen und ein wenig von der Großartigkeit dieser Welt spüren, da braucht man gar keine nächste. Das ist Spiritualität,

Das würde heißen, die heidnischen Götter sind tot, was wiederbelebt werden kann, ist der Kult, das Lebensgefühl? Kann es wirklich Heidentum ohne ihre Götter geben. Ist das nicht ein Heidentum light, mangelnder Respekt vor der Ernsthaftigkeit des Glaubens der alten Heiden? Oder ist es gerade das Eingeständnis, daß das alte Heidentum vergangen ist, weil seine Götter tot sind, was dagegen heute noch gelebt werden kann, das Lebensgefühl ist, die Beziehung zur Welt, die es natürlich noch gibt?

_________________
"Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen anderer ist relativ der Ausnahmefall."
Friedrich Nietzsche


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 03 Feb 2010 23:48 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 06 Nov 2008 10:25
Beiträge: 1791
Marcellinus hat geschrieben:
Ist das nicht ein Widerspruch? Du sagst, der Monotheismus habe mit der Vernichtung des Heidentums das Göttliche von der Welt getrennt. Und nun gibt es das Heidentum wieder und bringt die Welt und das Göttliche wieder zusammen?

Ich habe gesagt, im Monotheismus ist das Göttliche von der Welt getrennt. Per se, nicht erst durch die Vernichtung des Heidentums. Mit selbiger ist die Idee, daß es auch anders sein könnte, aus der Welt verschwunden. Im Heidentum wird diese Idee wieder aufgegriffen und z.B. in rituelle Handlungen übersetzt.

Zitat:
Das würde heißen, die heidnischen Götter sind tot, was wiederbelebt werden kann, ist der Kult, das Lebensgefühl? Kann es wirklich Heidentum ohne ihre Götter geben. Ist das nicht ein Heidentum light, mangelnder Respekt vor der Ernsthaftigkeit des Glaubens der alten Heiden? Oder ist es gerade das Eingeständnis, daß das alte Heidentum vergangen ist, weil seine Götter tot sind, was dagegen heute noch gelebt werden kann, das Lebensgefühl ist, die Beziehung zur Welt, die es natürlich noch gibt?

Die Welt hat sich die letzten 1000 Jahre weitergedreht. Selbstverständlich haben wir heute nicht mehr dieselben Vorstellungen wie die Heiden damals. Natürlich ist das alte Heidentum vergangen und zum Teil im Christentum aufgegangen, weshalb man ja auch von Neuheidentum spricht. Ich kann Dir auf Anhieb vier verschiedene im Neuheidentum vertrenene Ansichten nennen, was ein Gott überhaupt ist. Welche man davon hat, ist aber nebensächlich, der Grundgedanke ist derselbe, die Stellung der Menschen, der Götter und der Welt untereinander dieselbe.
Und da ist nirgends mangelnder Respekt vor den Vorstellungen der Altvorderen. Die waren nicht so naiv und dämlich, wie es die christliche Apologetik glauben machen will. Nimm die Göttinnen Germania und Africa, die den Römern als Sinn- und Abbilder der jewiligen Länder dienten. Glaubst Du wirklich, die Römer waren so dämlich, Bild und Land nicht auseinanderhalten zu können? Dann wären sie wohl kaum in der Lage gewesen, dort einzumarschieren.
Und deshalb heißt das noch lange nicht, daß die Götter tot wären. Solange wir leben, leben sie auch.

_________________
"Wer dafür ist, die Demokratie endgültig abzuschaffen, hebt die Hand." (Moe Szyslak)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 04 Feb 2010 00:14 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 06 Nov 2008 10:25
Beiträge: 1791
Marcellinus hat geschrieben:
Nun sollte man den Weg konsequent zu Ende gehen, und auch die letzten Götter als das erkennen, was sie sind: von Menschen geschaffene Bilder, statt den Versuch zu machen, das Rad der Religionsgeschichte zurückdrehen zu wollen.

Jeder Heide bei Verstand weiß, daß die Götter als Personen mit Namen, Bart und Flügelhelm, sowie die Geschichten, die sich um sie ranken, vom Menschen geschaffene Bilder sind. Und das wußten auch die Heiden von einst. Niemand mit mehr Grips als eine Banane hat je ein Götterbildnis für den Gott selbst gehalten. Auf solche abstrusen Ideen kommen nur für den Monotheismus Anfällige, weshalb dort das Bildermachen auch verboten ist.
Das Rad der europäischen Religionsgeschichte wurde im 4. Jhd. zurückgedreht, nicht heute.

"Zu denselben Sternen blicken wir empor, der Himmel ist uns gemeinsam, dasselbe Weltall umgibt uns. Was liegt daran, unter welchem System ein jeder die Wahrheit erforscht? Auf einem Weg allein kann man nicht ein solch erhabenes Mysterium erkennen."
(Quintus Aurelius Symmachus, einer der letzten Verteidiger des römischen "Altheidentums" in eben jenem Jahrhundert)

_________________
"Wer dafür ist, die Demokratie endgültig abzuschaffen, hebt die Hand." (Moe Szyslak)


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 04 Feb 2010 00:21 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 07 Jul 2009 17:44
Beiträge: 3114
GermanHeretic hat geschrieben:
Natürlich ist das alte Heidentum vergangen und zum Teil im Christentum aufgegangen, weshalb man ja auch von Neuheidentum spricht. Ich kann Dir auf Anhieb vier verschiedene im Neuheidentum vertrenene Ansichten nennen, was ein Gott überhaupt ist. Welche man davon hat, ist aber nebensächlich, der Grundgedanke ist derselbe, die Stellung der Menschen, der Götter und der Welt untereinander dieselbe.

Nämlich?
GermanHeretic hat geschrieben:
Und da ist nirgends mangelnder Respekt vor den Vorstellungen der Altvorderen. Die waren nicht so naiv und dämlich, wie es die christliche Apologetik glauben machen will. Nimm die Göttinnen Germania und Africa, die den Römern als Sinn- und Abbilder der jewiligen Länder dienten. Glaubst Du wirklich, die Römer waren so dämlich, Bild und Land nicht auseinanderhalten zu können? Dann wären sie wohl kaum in der Lage gewesen, dort einzumarschieren.

Nein, Marcellinus hält die alten Römer nicht für dämlich, gerade der nicht! :bgrin: Das waren Personifikationen wie die der Göttin Roma, die man sicher auch nicht mit den Gebäuden verwechselte.
GermanHeretic hat geschrieben:
Und deshalb heißt das noch lange nicht, daß die Götter tot wären. Solange wir leben, leben sie auch.

Das ist eben meine Frage. Götter leben, solange die Menschen leben, die sie verehren. Das kann ich mir vorstellen. Aber kann man Götter wiederbeleben? Sind es noch die gleichen, oder andere?

_________________
"Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen anderer ist relativ der Ausnahmefall."
Friedrich Nietzsche


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Germanische Götterwelt
BeitragVerfasst: 04 Feb 2010 00:24 
Offline
Perlenschmuggler
Perlenschmuggler
Benutzeravatar

Registriert: 07 Jul 2009 17:44
Beiträge: 3114
GermanHeretic hat geschrieben:
Das Rad der europäischen Religionsgeschichte wurde im 4. Jhd. zurückgedreht, nicht heute.

"Zu denselben Sternen blicken wir empor, der Himmel ist uns gemeinsam, dasselbe Weltall umgibt uns. Was liegt daran, unter welchem System ein jeder die Wahrheit erforscht? Auf einem Weg allein kann man nicht ein solch erhabenes Mysterium erkennen."
(Quintus Aurelius Symmachus, einer der letzten Verteidiger des römischen "Altheidentums" in eben jenem Jahrhundert)

Ja, ein schöner Gedanke und sehr tolerant. Leider wurde die Toleranz nicht erwidert, sondern als Schwäche ausgelegt. Für Polytheisten ist ein weiterer Gott keine Bedrohung. Dieser war es!

_________________
"Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen anderer ist relativ der Ausnahmefall."
Friedrich Nietzsche


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 87 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: barbara und 0 Gäste


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Impressum

Powered bye phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de
phpBB SEO