Wer Darstellungen zum Thema Sohn Gottes liest, hat den Eindruck, dass der Verehrte gar nicht erst gefragt wird. In der Bergpredigt sagt Jesus jedenfalls: Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Um den Gedanken vom Anfang noch mal aufzugreifen:
Sohn Gottes sein - Sohn Gottes werden
Wo in der lateinischen Bibel "filius" stand, wird heute statt mit "Sohn" häufig mit "Kind" übersetzt. Das gilt auch für den Anfang des Johannes-Evangeliums. Dort heißt es heute:
Joh 1,12 Allen aber, die ihn aufnahmen, / gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, / allen, die an seinen Namen glauben,/ Joh 1,13 die nicht aus dem Blut, / nicht aus dem Willen des Fleisches, / nicht aus dem Willen des Mannes, / sondern aus Gott geboren sind.
Wie man sich diese Wiedergeburt vorstellen kann, erklärt Jesus im Gespräch mit Nikodemus.
Joh 3,3 Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Joh 3,4 Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden. Joh 3,5 Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Joh 3,6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Joh 3,7 Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden.
Wasser und Geist sind hier zu verstehen als Taufe und Theologie, caritas, Nächstenliebe. Genauso beginnt das Markus-Evangelium über den Sohn Gottes. Jesus ist der Erstgeborene der Kinder Gottes, den der Vater liebt, als wäre er "quasi" - so steht es in der lateinischen Bibel - sein einziger Sohn.