Wir schon. Daran siehst du, dass es mindestens zwei Gruppen gibt. Die eine Gruppe glaubt an objektive Werte (etwa im Stein), die zweite Gruppe, zu der Jesus, Barbara und ich gehören, betont seit jeher die Subjektivität der Bewertung. Jesus erscheint damit auch heute erstaunlich aktuell. Dass der Franziskaner Petrus Johannes Olivi im Mittelalter "
als erster" eine entsprechende Wertlehre entwickelte, dürfte daher nicht überraschen. Nicht nur in der sozialen Marktwirtschaft, auch in der parlamentarischen Demokratie spielt der Gedanke der Subjektivität von Bewertungen eine hervorragende Rolle.
Oh, er nun wieder! Noch einmal und nur für die Akten:
Die christlichen Kirchen haben versucht, alle Werte der Menschen zu zerstören, die ihnen bei ihrer Herrschaft im Wege waren. Und sie tun es noch heute, wenn Ratzinger sagt, man dürfe sich nicht in "bloßen Humanismus" erschöpfen.
Freier Handel, Abschaffung der Ständegesellschaft und ein republikanische Gesellschaft mußte und muß bis heute gegen die Kleriker aller Religionen erkämpft werden.
Subjektivität ist der Rückzugsort derjenigen, die ihren Wahrheitsanspruch verloren haben. Da bist du weiter als dein Papst, der immer noch glaubt, seine katholische Wahrheit gegen den Relativismus verteidigen zu können.
Tho' much is taken, much abides; and tho'
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are,--
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.
Tennyson, UlyssesEs gibt heute in der Tat noch Menschen mit Feindbildern, marcellinus.
Und auch in der Kirche gibt es vermeintliche Freunde Jesu, denen die Nächstenliebe lästig fällt, wenn es um die Liebe zu Andersgläubigen geht. Aber ich glaube, dass der Papst es mit der Gottes- und Nächstenliebe ernst meint.
Es gibt einfache Gläubige, schlichte Gemüter, die alles mögliche wörtlich nehmen, aber auch Andersgläubigen helfen, wenn sie in Not sind. Und es gibt Theologen, die nicht einfach nur den Glauben der Kirche politisch instrumentalisieren, sondern die Bibel mit Jesus, Paulus, Johannes und allen Kirchenlehrern wie Bonaventura eher geistig verstehen. Wer den weltlichen Weisheiten auf den Grund geschaut hat, der weiß aus der himmlischen Perspektive der Theologie, dass alles relativ ist.
Ich denke zwar, dass der Papst konservativer ist als ich, aber ich denke auch, dass du vom Papst zu wenig gelesen hast, um ihn richtig darzustellen.